

"Das Theater ist einer der wenigen Orte, die einen Prozess der Selbsterkenntnis in Gang setzen können. Dies ist ein wesentliches Element für die Bildung einer demokratischen Gesellschaft. Theater sprengt die Masse. Es richtet sich an den einzelnen Menschen, gibt ihm die Chance zur Person zu werden."
Roberto Ciulli
Der Ottersberger Bachelor Studiengang Theater im Sozialen. Theaterpädagogik ist der jüngste Studiengang der Fachhochschule. Die Resonanz auf das Angebot war und ist groß. Ab 2011 wird es zusätzlich einen studiengangsübergreifenden, interdisziplinären Master geben, der ein vertiefendes Studium im unmittelbaren Bezug zu einem persönlich gewählten Berufsfeld ermöglicht.
Theater ist die szenische Darstellung inneren und äußeren Geschehens. Es entsteht in der Kommunikation zwischen Darstellern untereinander und dem Publikum.
Theaterpädagogen arbeiten meist situationsorientiert, sie nutzen das Theaterspiel für ihre pädagogischen Zwecke, weil sie in der szenischen Auseinandersetzung leichter die Ideen und Impulse der Teilnehmer erreichen.
In Ergänzung zum etablierten Theater und über die traditionelle, vor allem für das Darstellende Spiel an Schulen entwickelten Theaterpädagogik hinaus sucht Theater im Sozialen. Theaterpädagogik den selbstverständlichen Kontakt mit Menschen aller kulturellen und sozialen Milieus: In der künstlerischen Zusammenarbeit mit Behinderten oder für verrückt Erklärten, Migranten, Gefangenen und Menschen mit Sucht- und Drogenproblemen, mit Kindern, Jugendlichen und alten Menschen entsteht etwas Eigenes: eine in der biografischen Substanz der Beteiligten gegründete Ästhetik von hoher künstlerischer Relevanz. Dieses Theater ist offen, selbstkritisch und flexibel. Es existiert nicht als professioneller Apparat für eine interessierte Schicht - sondern als jeweiliges Projekt im Sozialen. Ein anspruchsvolles Theater, riskant – und zugleich von hohem künstlerischen Potenzial.
Wer Menschen und ihre Verhaltensweisen darstellt und mehr will als Spiegeln oder Kopieren, tut gut daran, sich tiefer gehende Gedanken über die Bedingungen und Möglichkeiten des menschlichen Lebens machen. Aus einer solchen Theaterarbeit entstehen nicht nur darstellerische Perspektiven für eine Rolle und ein Stück. Sie wirkt auch selbsterziehend und persönlichkeitsbildend, indem sie zu Einsichten und Gestaltungsimpulsen für das eigene und das soziale Leben verhilft.
Die Studierenden der Studiengänge "Kunst im Sozialen. Kunsttherapie" und "Theater im Sozialen. Theaterpädagogik" haben dabei vielfach Gelegenheit, miteinander zu agieren und sich in fächerübergreifenden künstlerischen wie wissenschaftlichen Lehrveranstaltungen auszutauschen.
Theater hat das Vermögen, Spielräume zu schaffen, in denen vorgegebene Verhaltens- und Kommunikationsmuster überschritten, erweitert und verwandelt werden können. So ist es möglich, sich selbst und andere neu wahrzunehmen und einander - jenseits polarisierender Festschreibungen wie krank/gesund, normal/behindert usw. – zu begegnen.
Dafür braucht es Methodenkenntnis, das Beherrschen des künstlerischen Handwerks und die Fähigkeit, beides persönlich auszuprägen und zu vermitteln. Das vierjährige Vollzeitstudium vermittelt dieses in einem Raum, in dem sich Alltag, Kunst und Wissenschaft täglich berühren.
Unsere fertig ausgebildeten Theaterpädagogen treffen auf ein weites Betätigungsfeld. Sie arbeiten angestellt oder freiberuflich, mit Laien und mit professionellen Darstellern. Sie engagieren sich an staatlichen oder freien Theatern, in Bildungs- und soziokulturellen Einrichtungen, im Strafvollzug, in der Drogentherapie, in Wohnstätten für geistig behinderte Menschen. Sie werden in der Altenpflege, in Schulen, in interkulturellen Projekten mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen gebraucht, aber auch in Psychiatrien und psychiatrischen Nachsorgeeinrichtungen. Sie arbeiten mit Obdachlosen – oder beschreiten neue Wege in die freie Wirtschaft.
Dabei setzen sie ein, was sie in Ottersberg gelernt haben: Rollenspiel, Geschichten erzählen, Maskenarbeit und Improvisation. Die Inszenierung von Stücken, das Konzipieren und Realisieren freier Theaterprojekte stehen ihnen ebenso zu Gebote wie Tanz, Gesang, Figurenarbeit, Tanztheater, Improvisation und das Vermögen, auf andere eingehen zu können, andere zum Theaterspielen anzuleiten, flexibel auf sich verändernde Situationen zu reagieren, zu kooperieren und konfliktfähig zu sein.
Der künstlerische Handwerkskoffer Ottersberger Absolventen ist gut gefüllt.
