Berufliches

Fotocollage zum Thema Fachhochschule Ottersberg

Berufliches

Die Kunsttherapie findet sowohl auf medizinischem als auch in psychotherapeutischen und psychosozialen Arbeitsfeldern eine zunehmende Wertschätzung und Akzeptanz. Das ist eines der Ergebnisse, die durch die Umfrage 2001 herausgearbeitet wurden. Das Tätigkeitsfeld der AbsolventInnen reicht von Fachkliniken über sozialtherapeutische Institutionen für Menschen aller Altersstufen und gesellschaftlichen Milieus bis zu pädagogischen Einrichtungen. Es umfasst ebenso freikünstlerische Projekte mit mehr mittelbaren pädagogischen und therapeutischen Komponenten.

In einem aufwendigen Verfahren, das die FH Ottersberg in enger Abstimmung mit der HIS (Hoch-schul-Informations-System) GmbH entwickelt hat, wurden Fragebögen erstellt und an 517 AbsolventInnen aus den vergangenen fünf Jahre versand. Von 336 erreichten Adressen erfolgten 214 Antworten, ein Rücklauf, der als gut und repräsentativ bezeichnet wird.

Die Umfrage 2001

1. 336 Befragte /Rücklauf 66,7 %
2. Beschäftigungsquote: 68,1 % nach 6 Monaten, 83,9 % nach 1 Jahr.
3. Arbeitslosenquote: 8,1 % nach 1 Jahr.

Insgesamt 13 Fragen wurden zu den unterschiedlichen Aspekten der Berufstätigkeit von Absolventen aus den drei Studienbereichen gestellt, wobei sich folgende Rücklaufquoten ergeben haben: Kunsttherapie Bildende Kunst 66,7%, Darstellende Kunst 58,3% und Freie Bildende Kunst 28,6%.
Bei der Betrachtung der StudentInnen wurde deutlich, dass nicht nur der Anteil an Frauen sehr hoch ist, zwei Drittel aller StudienanfängerInnen hat bereits eine Ausbildung – meist auf den Feldern Soziales, Gesundheit, Kunst und Handwerk – hinter sich.

Die Akzeptanz der Ausbildung zeigt sich darin, dass 83,9% aller AbsolventInnen 1 Jahr nach studienabschluß eine Tätigkeit aufnehmen konnte, wobei etwa die Hälfte in abhängigen Arbeitsverhältnissen steht. Davon sind die übrigen grösstenteils in ihrem Studienfach tätig, andere in artverwandten Arbeitsfeldern im sozialen, pädagogischen und gesundheitsfördernden Bereich. Insgesamt sind etwa ein Viertel der Kunsttherapeuten der Bildenden Kunst im klinischen Bereich tätig. Arbeitslos blieben nur 8,1 % der Befragten.

Die Beschäftigungssituation im Bereich der Darstellenden Kunst, weist darauf hin, dass hier die berufliche Integration verstärkt gefördert werden muss. Andererseits zeigte sich, dass die Darstellende Kunst mehr und mehr in ein breiteres Feld sozialer Bereiche einbezogen wird. So ist es bemerkenswert, dass man bei 11 von 14 verwertbaren Antworten feststellen konnte, dass die Berufstätigkeit im Studienfach aufgenommen werden konnte.

Im Bereich der Freien Bildenden Kunst konnten aufgrund der niedrigen Absolventenzahl keine repräsentativen Ergebnisse ermittelt werden. Bundesweite Zahlen besagen jedoch, dass nur 5 % vom Beruf des Freien Künstlers existieren können und auch das Leben der Ottersberger AbsolventInnen besteht aus der Mischung von „Job und Kunst“. Als monatliches Einkommen ist für die erste Stelle ein Verdienst von DM 3.382,- und für die zweite Stelle von DM 3.390,- ermittelt worden.

Im Vergleich mit der Umfrage aus dem Jahr 1995 wurden im Gesamtergebnis keine großen Abwei-chungen ermittelt. Damals hatte man im Bereich der praxisbezogenen Ausbildung Defizite festgestellt, die die Hochschule seitdem verstärkt auszugleichen sucht und deren Weiterentwicklung auch in den Strukturentwicklungsplan 2000 eingegangen ist. So wurde ein berufspraktisches Studientrimester eingeführt und darüber hinaus anwendungsorientierte wissenschaftliche Lehrangebote ausgebaut. Sehr gute Erfolge ergeben sich auch durch das Praktikumsinformationszentrum, das bundesweit mit über 200 Praktikumsstellen in Verbindung steht. Durch einen Teil der Praktika, die hier vermittelt werden, gelingt den AbsolventInnen auch der Einstieg in das Berufsleben.

Die Umfrage hat ergeben, dass 14 % der StudentenInnen der Kunsttherapie Bildende Kunst ihre erste Stelle im unmittelbaren Anschluß an ihr Berufspraktikum bekommen haben. 46,5 % erhielten eine Stelle auf eine Ausschreibung hin, während 21,5 % mit einer Bewerbung auf Verdacht Erfolg hatten. Hoch (14%) ist auch der Anteil derer, die sich ihre Stelle selbst geschaffen haben. Dieser Weg, sich seinen Arbeitsplatz selbst zu verschaffen, steht bei den AbsolventInnen des Studiengangs Kunstherapie Darstellende Kunst sowie in der Freien Bildenden Kunst an erster Stelle.
Die doch relativ niedrige Zahl der Arbeitslosen im Bereich der Kunsttherapie ist ein Zeichen dafür, dass künstlerisches Gestalten in der heutigen Lebenswirklichkeit zunehmend die Funktion eines wichtigen Ausgleichs gewinnt und gleichzeitig die Gestaltbarkeit des eigenen sowie des sozialen Lebens fördert.

In seiner Stellungnahme zu dem Ergebnis und dem Auswertungsbericht der Umfrage hob das HIS-Institut die hohe Beteiligung der Absolventen hervor und wertete diese als Ausdruck einer besonders hohen Verbundenheit der ehemaligen StudentInnen zu ihrer FH.
Hinsichtlich des Wirkungsfeldes von KunsttherapeutInnen wies das Institut vor allem auf den Bereich der Senioren-arbeit hin, wo sich ein wachsender Bedarf an KunsttherapeutInnen abzeichne. Hier ergebe sich ein wichtiges Feld für eine fundierte empirische Forschung und Bestandsaufnahme, verbunden mit einer wissenschaftlichen Analyse der Wirkung kunsttherapeutischer Arbeit auf die Lebensprozesse.

Die angestrebte Intensivierung der Verknüpfung von Theorie- und Praxisseminaren wurde von dem Institut lobend hervorgehoben, da sich die Fachhochschule Ottersberg in diesem Punkt von anderen Fachhochschulen und Univer-sitäten abhebe. Es wurde empfohlen hierfür entsprechende Konzepte zu entwickeln.
Insgesamt wurde die Nüchternheit der Interpretation der Ergebnisse sowie die Nennung von Problembereichen innerhalb des Umfrageberichtes im HIS-Institut als sehr positiv erachtet und gleichzeitig als Ermutigung für die Ziele der eigenen Arbeit gesehen.

Es folgt eine Zusammenstellung der Kernaussagen für die beiden Studiengänge Kunsttherapie/-pädagogik Bildende Kunst sowie Darstellende Kunst:

Abschlussjahrgänge 1996 – 2000

 
1. Kunsttherapie / Kunstpädagogik - Bildende Künste
 
1.1. 336 Befragte / Rücklauf 66,7 %

2. Beschäftigungsquote:
68,1 % nach 6 Monaten
83,9 % nach 1 Jahr.

3. Arbeitslosenquote: 8,1 % nach 1 Jahr.

4. Betätigungsfelder / Einrichtungen:
- Kliniken und Gesundheitsförderung: Kliniken aller Sparten, Kunder- und Jugendpsychiatrische Einrichtungen, Einrichtungen für psychisch Kranke, Rehabilitationseinrichtungen, Kur- und Kinderkurheime, Arztpraxen, Sozialpsychiatrie, Selbsthilfeorganisationen. 33 %

- Pädagogik /Bildungseinrichtungen: Schulen wie z.B. Regelschulen, Waldorf-, Sonder-, Heimsonder- und Kunstschulen, Kindergärten, Kinderhorte, sonderpädagogische Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, Familienbildungsstätten, Berufsförderungswerke, Volkshochschulen, Museen,
Jugendhilfe: Jugendzentren und Jugendprojekte 26 %

- Behindertenhilfe /Suchtkrankenhilfe: Tagesstätten, Einrichtungen für geistig- und mehrfachbehinderte Menschen, sozialtherapeutische Einrichtungen, Werkstätten für Behinderte, Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe, Drogenberatungsstellen, Wohnheime für psychischkranke Menschen.19 %

- Kultur allgemein /Soziokultur /freiberufliche Betätigung: Kulturinitiativen, freie Theater, Kulturläden, Ateliers, Kulturzentren, Galerien, Kunstvereine. 10 %

- Altenhilfe /Sonstige Wohneinrichtungen 9 %

- Sonstige 3 %

- Eigene kunsttherapeutische Praxen 1 %

5. Generelle Entgeltregelungen:
- BAT 5 c bis 4b / Teilzeit analog
- Honorarregelungen
- Mischformen Gehalt /Honorar.

6. Künstlerische Einsatzmöglichkeiten:
Malerei der verschiedenen Bereiche, Zeichnen, Collagieren, Plastizieren, Bildhauerei, Installationen, kurzum: alles was die Bildende Kunst möglich macht.
2. Kunsttherapie / Kunstpädagogik-Darstellende Künste /Theaterpädagogik

Anmerkung: Die in der FH Ottersberg noch vergleichsweise junge Disziplin hat während der letzten 5 Abschlußjahrgänge insgesamt 38 AbsolventInnen hervorgebracht. Nach Abzug der nicht erreichbaren Adressen sind 14 verwertbare Rückantworten (36,8 %) zu verzeichnen. Diese relativ niedrige AbsolventInnenzahl ist bei der Beurteilung der Ergebnisse zu berücksichtigen.

2. Beschäftigungsquote: nach bis zu 6 Monaten hatten alle AbsolventInnen Beschäftigung.
 
3. Arbeitslosenquote: nicht ermittelbar.
 
4. Betätigungsfelder/ Einrichtungen: Überwiegend freiberuflich.
In Bildungseinrichtungen, staatlichen und freien Theatern, soziokulturellen Einrichtungen, JVAs, Maßregelvollzug, Drogentherapie und Wohneinrichtung für geistigbehinderte Menschen, Altenpflege, Arbeit mit Obdachlosen, Schulen, Psychiatrie, Kreativitätstraining, psychiatrische Nachsorgeeinrichtungen.
 
5. Künstlerische Einsatzmöglichkeiten:
Rollenspiel, Geschichten erzählen, Maskenarbeit, Improvisation, Tanz, Gesang, Figuren (vorgegebene und neu erfundene), Tanztheater, Inszenierung von Stücken, freikonzipierte Theaterprojekte.