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Bericht vom Arbeitstreffen für KunsterzieherInnen 2010 an der FH Ottersberg

29. bis 31. Oktober 2010

Farbe – Farbe – Farbe

Die Arbeitstreffen für Kunsterzieherinnen und Kunsterzieher an der FH Ottersberg thematisieren stets Fragenkomplexe, die von den Teilnehmern des vorjährigen Treffens angeregt wurden. Dazu trafen sich 18 Kunsterzieher aus Waldorfschulen, öffentlichen Schulen sowie auch einige Kunsttherapeuten verschiedener Arbeitsfelder. „Farbe-Farbe-Farbe“ als Oberthema des diesjährigen Treffens ist Ausdruck dafür, sich dem Thema Farbe in verschiedenen Facetten zu nähern. Es begann mit der Betrachtung der Phänomene zur Farbentstehung und der seit 200 Jahren andauernden wissenschaftlichen Auseinandersetzung der Untersuchungsansätze Newtons und Goethes im Vortrag von Peter Sinapius „In der Farbe zeigt sich das Leben“ (R. Jochims) oder „Wie ist das, wenn man Farbe ist?“ Dieser Vortrag und der dazu gereichte, sehr bemerkenswerte und in poetischer Form verfasste Reflexionsbericht zum Thema Farbenlehre aus subjektiver Sicht von Marie Naemi Kumpf (Studentin, 4. Trimester, Studiengangs KS) ergänzten sich gegenseitig: Auf der einen Seite die in Wissenschaftssprache ausgeführten Positionen zur Farbe-Diskussion, auf der anderen die in eine Rahmenhandlung gekleideten persönlichen Empfindungen im unmittelbaren Erleben der Farben während der künstlerischen Arbeit. 


Am Freitagabend leitete Martin Sturm (Nürnberg) praktische Arbeit zum Thema „Präsentation des Kunstunterrichts im Kollegium“ an. Dies war ein Seitenthema des vergangenen Treffens, das nicht nur mit dem Medium Farbe zutun haben muss. Martin Sturm ließ, das Medium wechselnd, die Teilnehmer paarweise zu vorher erfundenen Szenen mit Ton plastizieren. Ein ausgeklügeltes Partnerwahlsystem sorgte dafür, dass niemand die eigene Szene gestaltete und zudem keine „Freundschaftspaare“ zusammenarbeiteten. Und so entstand Kommunikation zwischen Personen, die sonst nicht zu einander finden, über Themen, die sie normalerweise nicht beschäftigten. Die Arbeit wurde am Samstagvormittag fortgesetzt. Nun ging es darum zwei zuvor gestaltete Szenen gemeinsam zu einer zusammenzuformen, und ihr einen neuen Titel zu geben. Die Teilnehmer waren sich einig, dass ein solches Verfahren gut geeignet sei in Lehrerkollegien Gespräche über künstlerisches Arbeiten und über den Kunstunterricht anzuregen und so um mehr Verständnis für die Erfordernisse des Faches zu werben.

Im ersten Ausspracheblock am Samstagvormittag wurde die von Martin Sturm aufgeworfene Problematik vertieft und weitere alternative dialogische künstlerische Verfahren auf einfachem technischen Niveau besprochen.

Der Samstagnachmittag begann mit dem Eingangsreferat „Farbe Erleben und Anwenden in der Landschaftsmalerei“ von Michael Emde (Darmstadt) das nochmals auf Goethes Prismenversuche zur Farbenlehre einging. Er vermittelteGoethes Farbkreis und andere Farbkreis-Systeme bis hin zu industriellen Farbordnungen (z.B. RAL) und unterlegte Licht-Farbe-Phänomene mit Landschafts-Fotografien, die wiederum zu farbperspektivischen Darstellungsmöglichkeiten für die Landschaftsmalerei in der Arbeit mit Schülern der 10. und 11. Klasse anregen sollten. Der didaktische Teil seines Referats erläuterte malerische Verfahren des Aquarells in der Landschaftsmalerei mit Schülern. Dazu gab es künstlerisch und technisch sehr gute Ergebnisse aus dem Kunstunterricht zu sehen, die zeigten, wie sich der Blick für Landschaft (die Umwelt) im individuell gestalteten, selber geschaffenen Abbild für die Schüler schärft.

Im anschließenden praktischen Teil hatten die Teilnehmer Gelegenheit selber zur vorgestellten Thematik zu arbeiten.

Am Samstagabend referierte Sabine Wyrowski (Hamburg Nienstedten) zu Beginn zur Frage „Wie können Schüler (12./13. Klasse) zum Verständnis der modernen Kunst geführt werden?“ Gemeint war zunächst die Klassische Moderne, und Sabine Wyrowski vermittelte eine von ihr im Unterricht favorisierte dreigliederige Form der Bildbetrachtung, die sie aber auch in der Arbeit mit Kollegen anwendet. Im Anschluss waren die Teilnehmer aufgefordert Bildbeschreibung im zusammentragenden Gespräch zu praktizieren. Dazu dienten Werke verschiedener Schaffensperioden von Otto Dix, Henri Matisse und Piet Mondrians. Sabine Wyrowski moderierte das Gespräch, das nicht nur der Bildbeschreibung diente sondern stets auch didaktische Ansätze thematisierte.

Am Sonntagmorgen wurden rückblickend auf das Treffen offene Fragen aufgearbeitet. Sabine Wyrowski ergänzte ihre Ausführungen zur Systematik der Bildbetrachtung mit Schülern und Kollegen. Michael Emde zeigte weitere Schülerarbeiten zum Landschaftsmalereithema, und man besprach didaktische Fragen zwischen geführten und freilassenden Angeboten, angeregt auch durch Unterrichtsbeispielevon Hermann Dölger (Bad Naumheim).

Der letzte Veranstaltungsblock galt wie üblich dem Rückblick und Ausblick. Besonders geschätzt wurde die gute, ernsthafte

aber auch entspannte Atmosphäre des Treffens, die gute Qualität aller Referentenbeiträge und die sich anknüpfenden Gespräche. So gilt der Dank allen, die organisatorisch und referierend beteiligt waren: In der Küche Daniela Hraber und Susanne Vogtmann, im Tagungsbüro, bei der Sitzungsbegleitung und den Zwischenmahlzeiten Andrea Hoesmann und Christian Hauke, den Referenten Peter Sinapius, Marie Naemie Kumpf, Martin Sturm, Sabine Wyrowski und als zusätzlichem Beitrag am Sonntag Hermann Dölger. Christian Hauke wird dankenswerter Weise eine Daten-CD mit Fotos und Textbeiträgen zusammenzustellen und den Teilnehmern zukommen zu lassen. Johannes Maurer wurde für die Moderation gedankt und seine Bereitschaft das Folgetreffen zu planen.

Ausblickend wurde hierfür das Wochenende vom 28. bis 30. November 2011 in Aussicht genommen.

Eine ausführlichere Version des Berichtes findet sich unter www.kunsttherapieforschung.de; dort sind auch der Vortrag von P. Sinapius und die Bildschirmpräsentation von M. Emde eingestellt.

Johannes Maurer

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