Ehemalige

Collage - Hochschule



Kunstpädagogik und teilnehmende Beobachtung

Zum 15. Mal: Das Kunstpädagogische Arbeitstreffen der FH Ottersberg



1992 fand an der FH Ottersberg eine kunstpädagogische Fachtagung zum Thema „Wahrnehmen – Wahrgeben“ statt. Daraus entwickelten sich die Ottersberger „Arbeitstreffen“:  Einmal im Jahr treffen sich in Ottersberg Kunstlehrerinnen und -lehrer der Oberstufe an Waldorfschulen, aber auch aus freien Kunstschulen sowie Kunsttherapeutinnen und Kunsttherapeuten zu Vorträgen, Diskussionen und gemeinsamem praktisch-künstlerischen Arbeiten. Die jeweiligen Generalthemen orientieren sich an den Bedürfnissen der Kolleginnen und Kollegen „vor Ort“, zum Beispiel Farbenlehre für Zehntklässler, Druckgrafik oder Filmen mit Schülern. In diesem Jahr (30.10. bis 1.11.) waren es zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich für qualitative Forschung und Selbsrelexion interessierten. Das Generalthema lautete: „Teilnehmende Beobachtung“. Wir stellen kurz einige der Beiträge vor.


Teilnehmende Beobachtung im Kunstunterricht - ein Fallbeispiel qualitativer Forschung in der Praxis von Petra Böhle (Alfter)

Anhand einer Beobachtungssituation im künstlerischen Unterricht des Erzieherinnenseminars in Dortmund gab Petra Böhle ein Beispiel für die qualitative Forschungsmethode der „Teilnehmenden Beobachtung“.
Sie vertrat die Auffassung, dass „Teilnehmende Beobachtung“ losgelöst von Forschungsabsichten geeignet sei, Lehrenden ein Instrument zur Selbstbeobachtung an die Hand zu geben, dass im Austausch innerhalb von kollegialer Zusammenarbeit (Konferenzen, evaluierenden Teamsitzungen...) Unterricht effektiver zu gestalten sei, weil Lernverhalten einzelner Schülerinnen und Schüler innerhalb der Gruppe, aber auch das Verhalten der Unterrichtenden selber präziser einschätzbar wird.

Eine praktische Übung mit den Teilnehmern verdeutlichte, dass hierzu die Vorfeldbedingungen sehr klar zu regeln sind, Fragen an die möglichen Situationen präzise durchdacht werden müssen und dass eine selbstkritische Haltung - unterstützt durch Supervision für den „Teilnehmenden Beobachter“ - unerlässlich ist.



Kunst macht Schule – ein Projekt  von Peter Sinapius und Studierenden der FH Ottersberg an der Waldorfschule Bremen-Osterholz

Vor einem Jahr begann das Projekt mit Ideensammlung und Planung. Nach dem Umzug der Waldorfschule nach Bremen-Osterholz waren der Eingangsbereich und ein Leseraum neu zu gestalten. Eine Gruppe von Studierenden (Alessandra Amberg, Katharina Beesk, Jan Philipp Grafelmann, Kathrin Hatting, Sabrina Loll, Christina Marth, Friederike Maszurimm, Paula May, Eva Maibeck, und Swantje Neubauer, 4. Trimesters im Studiengang Kunst im Sozialen.Kunsttherapie sowie Jens Bachmeyer aus dem 6. Trimester) traf sich während einer Projektwoche in der Schule mit Schülerinnen und Schülern der 9. bis 11. Klasse. Vor den Sommerferien entwickelten sie Ideen zur Gestaltung der Eingangshalle und eines benutzerfreundlichen, nach  Schülerwünschen eingerichteten Leseraums.

Beim Arbeitstreffen berichteten die Studierenden von ihrer Konzeptionsarbeit zusammen mit den Schülern, wie stets neu Zuständigkeiten zu regeln waren, wie das Erarbeitete gegenüber den Lehrern zu vertreten, teils durchzusetzen war und über den Verlauf ihres engagierten Einsatzes.

Alle Schritte waren mit Fotos dokumentiert, so dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Arbeitstreffens einen sehr guten Eindruck von der geleisteten Arbeit bekamen. Dieser Beitrag zeigte, welch große Rolle Projekte für die FH Ottersberg als Schnittstelle zwischen Lehre und beruflicher Praxis haben.


Schulmüdigkeit und kunstpädagogisch-kunsttherapeutische Intervention – drei Beispiele von  Carl Thomas Wiese (Hamburg Harburg)

Schulmüdigkeit als viel diskutiertes Phänomen wird an der Schule selbst selten tiefer gehend untersucht. In der Regel wird auf der Suche nach geeigneten Maßnahmen der übliche Katalog von Motivationshilfen durchgeblättert, oft erfolglos. Doch gerade im künstlerischen Unterricht gelingt es bisweilen – meist zufällig - unter die Oberfläche der schulmüden Schutzhaltung vorzudringen. Dann zeigen sich mitunter gravierende Belastungssituationen, unter denen die betroffenen Schüler zu leiden haben und die den erwarteten Einsatz in und für die Schularbeit nahezu unmöglich macht. 

Drei solcher Beispiele stellte Thomas Wiese in seinem Beitrag vor und zeigte, wie durch besonderen Einsatz der Ausdrucksmittel im bildnerisch-künstlerischen Unterricht hier der klassische Bildungsauftrag (kunst)-therapeutisch erweitert werden konnte. Es wurde allerdings auch klar, dass wohl nicht jeder mit den geschilderten Situationen so umgehen könnte wie Thomas Wiese, der immerhin auf einer vierjährigen Erfahrung in kunsttherapeutischer Praxis im klinischen Zusammenhang zurückgreifen kann.

Thomas Wiese zeigte einige der entstandenen künstlerischen Arbeiten. Es war beeindruckend zu sehen, mit welcher künstlerischen Kompetenz die Schülerinnen und Schüler arbeiten konnten, welches ästhetische Ausdrucksvermögen ihnen über die Betroffenheit hinaus zur Verfügung stand.



Bildkomposition - Praktische Arbeit mit Monika Pannitschka (Witten)

Im ersten Teil ihres Beitrags führte Monika Pannitschka die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in klassische Bereiche der Kompositionslehre. Wie entschlüsselt sich der Sinn von Bildern durch Komposition? Zunächst hatte jeder für sich die Aufgabe, in einem vorgestellten Bild die Komposition zu lesen und wichtige Bezugslinien zu zeichnen. Im sich anschließenden Gespräch ergaben die eingesammelten Gesichtspunkte eine teils überraschend neue Sicht auf das Werk und seine Lesbarkeit im historischen und gegenwärtigen Kontext.

Die vorgestellte Methode wurde im zweiten Teil des Nachmittags als Leitlinie zu selbständiger künstlerischer Arbeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingesetzt. Mit grafischem, zeichnerischem Material versuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Grundidee von Franz Kafkas Kurzgeschichte „Der plötzliche Spaziergang“ figürlich-szenisch oder auch „abstrakt“ bildnerisch neu zu erschaffen. In der Nachbesprechung wurden einzelne Arbeiten vorgestellt und im Sinne der vorgestellten Kompositionselemente kritisch betrachtet.

Insgesamt wurde Monika Pannitschkas Beitrag als anregender und bereichernder Ansatz gewürdigt, kunstwissenschaftlich-theoretische Bildbetrachtungskomponenten mit praktischer künstlerischer Arbeit zu verbinden. Die „Sehhilfe“ für Bilder im Text und Erzähltes im Bild scheint ein gerade bei höheren Oberstufenklassen gut einzusetzendes Verfahren zu sein, das einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung persönlicher Ausdrucksqualitäten leisten kann.



Praxisbeispiele aus dem Kunstunterricht der 4. bis 13. Klasse von Margret Meier (Hitzacker)


„Meine Schüler sind noch ganz lieb...!“ damit begann Margret Meier ihren Beitrag, in welchem sie die von ihr ausgestellten Arbeiten der Klassenstufen 4 bis 13 besprach. Sie berichtete von der Anforderung an den Kunstunterricht in ihrer Schulsituation. Von „ganz unten her“ müsse er neu aufgerichtet werden. Um die Lehrplanziele der Oberstufe zu erreichen, sei im Unterbau auch kunsthandwerkliche Basisarbeit zu leisten. Das Handwerkliche, vor allem auch das frühe Üben, stelle sich in der Mittelstufe als sinnvolle Stütze heraus. Nur dadurch sei es ihr möglich, sich mit den Schülern an so etwas wie Ausdrucksfähigkeit oder -qualität heranzutasten.

Mit „Meine Schüler sind noch ganz lieb...!“ verwies sie auf den von ihr festgestellten Mentalitätsunterschied zwischen Land- und Stadtschülern. Sie seien im Alltag unterschiedlichen  Reizkomponenten ausgesetzt, die sich auch auf das Verhalten im Kunstunterricht auswirkten. Für das Ziel, den Schülern zum Abitur hin einen Anschluss an zeitgenössische Kunst zu verschaffen, verbleibe jedenfalls nur wenig Zeit. Zu hoffen sei, dass kontinuierlich erteilter Kunstunterricht für alle Altersstufen hier langfristig einen früheren Zugang zur zeitgenössischen Kunst ermögliche. Voraussetzung hierfür sei natürlich, dass nicht im Zuge der Schulzeitverkürzung und Stärkung der klassischen Leistungsfächer weitere Kürzungen beim Kunstunterricht vorgenommen würden.



Zusammenfassung der offenen Gesprächsrunden (Moderation: Johannes Maurer)

Zu Beginn waren vor allem die Beiträge von Petra Böhle und Thomas Wiese Gesprächs-gegenstände. „Teilnehmende Beobachtung“ ist natürlich zunächst eine Forschungs-methode der qualitativen Sozialforschung. Dennoch wurde thematisiert, dass die Grundhaltung, mit der solche Forschung betrieben wird, geeignet ist, innerhalb von Kollegiumsfortbildungen wertvolle Erkenntnisprozesse in Gang zu setzen, die Wahrnehmung zu schärfen und mehr Respekt vor der Arbeit des anderen zu erzeugen. Der Beitrag von Thomas Wiese verwies auf eine Abwandlung des Begriffs hin zur „Teilhabenden Beobachtung“, durch welche er sich in seiner Rolle als zwischen pädagogischem und therapeutischem Auftrag hin und her pendelndem Akteur besser charakterisiert sehe, zumal der pädagogische Alltag ja zunächst keinen Forschungsauftrag formuliert.

Das Gespräch nahm bald eine Richtung, in der es um Fragen kollegiumsinterner Fortbildungen ging, Wahrnehmung von und Wertschätzung für die Arbeit der anderen, auch immer unter dem Blickwinkel, die individuelle Begleitung von einzelnen Schülern in der Großgruppe sicher zu stellen.
Unterrichtskürzung im künstlerischen Bereich wurde natürlich ebenfalls thematisiert. Hier benötige es eine neue Wertigkeitsdebatte in den Kollegien. Kunstunterricht als Schlüsselkompetenzen vermittelndes Fach muss eine wesentliche Komponente des Fächerangebotes bleiben, seine Streichung kann nicht zum Beispiel damit gerechtfertigt werden, dass an „der Waldorfschule“ ohnehin jeder Unterricht „ein künstlerischer“ sei.

Da an einigen Schulen verdiente Kunstlehrer demnächst in Rente gehen, gibt es Nachwuchsbedarf. Besonders erwünscht sind gut ausgebildete Lehrkräfte, die über ein qualifiziertes künstlerisches Potenzial verfügen. Viele kamen früher auch von der FH in Ottersberg. Sie haben Wesentliches zur Belebung des Kunstunterrichts beigetragen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren aufgerufen, ihre Fühler auszustrecken.



Nächstes Arbeitstreffen zum Thema „Farbe“ im Oktober 2010

Gegen Ende wurde das neue Arbeitstreffen vom 29. bis 31. Oktober 2010 vereinbart. Das Leitthema wird mit Farbe zu tun haben. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer sicherten bereits Beiträge zu.
Am Schluss ein Dank an alle Referentinnen und Referenten für ihren aktiven Einsatz; besonders aber auch Danke für die organisatorische Hilfe und den Service, den die Studierenden leisteten. Es waren Helena Erdmann, Andrea Hoesmann und Christian Hauke, der zudem das Treffen fotografisch begleitete (eine CD ist in Arbeit und wird an die Teilnehmer versandt). Mineta Focke sorgte mit schmackhaftem Essen in der Mensa dafür, dass niemand Hungers leiden musste. Auch hierfür herzlichen Dank!

EHEMALIGE IM NETZ
Barbara Brockmann
www.kunst-und-therapie.com

Kathrin Lotz
www.kunstwerk51.de

Sonja Stahlschmid
www.kunst-im-wald.net

Olaf Dreier
www.gcb-dreier.de

Katja von Ahn
www.katjavonahn.de

Eva Makkos
www.laya-art.net

Anna Kerstin Gieseke
www.kunst-therapie-praxis.de

Frank-Werner Schink
www.frank-werner-schink.de

Ulrike Lenz
www.silenz.de

Ellen Gündling
www.kunst-therapie-natur.de

Tobias Gerstner
www.to-be-art.de

Dani Richter-John
www.dani-kunst.de

Stefan Stawicki-Seifert
www.haus-ivalo.de
www.insel-wege.de

Ulrich Buge
www.art-in-context.de

Sebastian Paulsen
www.pro-mediat.de

Bastian Schmidt
www.farmaciadellarte.de

Vera Schöttler
www.creativera.de

Jörgen Habedank
www.kunst-die-befluegelt.de

Hans Joachim von Zieten
www.kunsttherapie-akademie.de

Hildrun Rolff
www.atelier-rolff.de

Skadi Engeln
www.kunsttherapie-wilmsstrasse.de

Martin Koroscha
www.koroscha.kulturserver-bremen.de

Achim Fischer-Göbel
www.achsfisghal.net

Christina Körner
www.kuenstlerportal.net

Anja Remke
www.kunsttherapie-atelier.de

Kattrin Luchs
www.luchsus.com

Godiva von Freienthal
www.atelier-querformat.de
www.vonfreienthal.de

Axel Schliwa
www.kunstdownload.de

Sandra Schmidt
www.frag-ment.de

Susanne Hallensleben-Labinsky
www.malanders-projekt.de

Deert Jacobs
www.geniusloci.info

Kirsten-Dumjahn
www.kirsten-dumjahn.de

Kay Leutner
www.kay-leutner.de

Nicole Hertel
www.malschanze.com

Annemarie Strümpfler
www.annemarie-struempfler.de

Jens Heller
www.diekapsel.de

Tako Deppe
www.homepage-bremen.de

Matthias Boettcher
www.maldichfrei.de

Doerte Kugel
www.doerte-kugel.de

Hedda Janssen
www.muenster.de/~hjanssen

Marion Schindler
www.kunstderbalance.de

Jörg Jozwiak
www.schneevongestern.net

Sergio Terelle
www.theaterspielplatz.de

Siegfried Kärcher
www.siegfried-kaercher.de

Nicole Peters
www.atelier-peters.de

Harald Nöding
www.kunstgrad.de

Reinhold Fäth
www.designtherapie.de

Thomas Blessing
www.thomasblessing.de

Almute Grossmann-Naef / Alex Naef
www.steinbildhauen.ch 

Christa Fitzler
www.christa-fitzler.de




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