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Collage - Aktuelles zum Studium

Stock und Schwert in Ottersberg


Autsch!

Studierende der FH Ottersberg prügeln aufeinander ein. Die aggressiven Energien sind echt. Aber für die Bühne gestaltet.



Aggressionen und aggressive Energien sind ein zentrales Element des Theaters; begibt sich Theater ins Soziale, gilt dieser Satz umso mehr. Wer je mit randständigen Jugendlichen gearbeitet hat, wird deren aggressive Potenz kennen – und vielleicht fürchten – gelernt haben. Aus diesem Grund findet man „Kämpfen“ auch im Lehrplan der sonst eher friedvollen Fachhochschule Ottersberg. Deren Dozent Hans-Joachim Reich, der den japanischen Stockkampf Kendo wie auch die philipinische Entsprechung Escrima gelernt hat, unterrichtet „Stock und Schwert“ als Pflichtfach einmal im Jahr.

Traditionell kennt man von der Bühne eher das Theaterfechten, das früher auch in Ottersberg unterrichtet wurde. Doch man kann auch mit einem Holzstock arbeiten. Reich bevorzugt das aus Bambusstücken bestehende Kendo-Übungsschwert Shinai; es ist relativ ungefährlich, federt nach und beansprucht weniger die Gelenke des Kämpfenden. Dabei garantiert es aber eine beeindruckend martialische Akustik.



Hans-Joachim Reich sagt: "Es geht mir darum, die Aggressionen gestaltbar zu machen und die soziale Komponente der Aggression heraus zu arbeiten.“ Dieser Kampf, der nur dann nicht verletzt, wenn allseits akzeptierte Vereinbarungen existieren, wird auf der Bühne zu einer Kombination aus Mit- und Gegeneinander. Und das verbindet ihn mit dem Tanz.

Am Anfang steht das Handwerk – die Kunst, mit Energie zuzuschlagen, ohne zu verletzen. Für die Bühne entwickeln die Studenten eine eigene Choreographie, meist zu zweit oder dritt. Geschichten können so erzählt werden, die verschiedensten Akteure kommen vor. Man kennt viele vom Fechten oder aus dem Kino: den Helden, den Brutalo, den Tölpel, den Betrunkenen, den Looser… Mit großem Spaß bedienen sich die Studierenden dabei in der Trickkiste des Slapstick. Wunderbar schallende Ohrfeigen, scheinbar brutales Schütteln, Würgen oder Treten – „was man im Alltag nicht leben kann, wird hier spielerisch gestaltet.“ (Reich)




Das kann auch aus dem Ruder laufen. Denn die Aggresionen, mit denen gearbeitet wird, sind echt. Mit Kindern erlebte Reich schon mal die Situation, dass er abbrechen musste: „Die Aggressionen waren nicht gestaltbar, es gab keine Regeln. Da wurde nur geprügelt.“ Auch die Studenten müssen aufpassen, dass sie nicht den Gegenüber zur Projektionsfläche eigener Aggressionen machen. Kritische Situationen sind indes selten an der Fachhochschule. Es gibt allerdings Studenten, die sich auf diese etwas heikle Situation nicht einlassen möchten oder können. Hans-Joachim Reich macht keinen Hehl daraus, dass er das kritisch sieht: „Ich finde es angesichts des späteren Berufslebens sehr notwendig zu lernen, mit aggressiven Energien gestalterisch umzugehen.“


Die Schauspieler in den Video-Clips sind:
Kendoschule: Christopher Krause, Johannes Wilhelm, Aljoscha Cesnik
Duell: Tina Pfeiffer, Sebastian Hecht
Goldenes Baguette: Julia Matt, Henri Weise, Daniel Fischer





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