Schlussauswertung
Am 9. Oktober 2009 treffen sich die Projektteilnehmer, die Hochschule für Kunsttherapie Nürtingen, die Fachhochschule Ottersberg und die Universität Witten/Herdecke in Ottersberg zur Schlussauswertung. Es geht um die technische Realisierung, Methoden der Literaturrecherche, um die Ausstattung der beteiligten Bibliotheken und nicht zuletzt darum, wie die Zukunft aussehen wird.
Arthedata is on
Sicher ist eins: Die Datenbank funktioniert und wird genutzt. Von Januar bis November wurde Arthedata 9715 mal gezielt aufgerufen und rund 39.000 mal zu Recherchearbeiten geöffent. Die Nutzungstendenz geht steil nach oben. Ein gutes Ergebnis für die Projektpartner, die fast zwei Jahre lang das existierende Material erfasst, sortiert, kommentiert und digitalisiert haben.
Essstörungen, Demenz und die Kunst psychisch Kranker
Was bedeuten Kinderzeichnungen? Was bietet künstlerisches Arbeiten beim Umgang mit Esstörungen? Was ist Art Brut? Solche Frage bewegen auch Nichtfachleute. Wer diese Begriffe googelt, wird erschlagen von den Ergebnislisten. Doch solche Fragen sind natürlich zentrale Anliegen der Kunsttherapie. Und so kann jetzt jeder Interessierte in der Internet-Datenbank arthedata.de erfahren, welche Bücher, Artikel, Diplomarbeiten oder Projekte innerhalb der Kunsttherapie zu medizinischen, heiltherapeutischen oder sozialen Fragen entstanden sind. Wer möchte, kann sich die Literatur dann in Ottersberg oder Nürtingen ausleihen. Noch ist persönliches Erscheinen notwendig; bald wird auch Fernausleihe möglich sein.
Bessere Forschung, professionelle Anerkennung
Constanze Schulze, Professorin für Grundlagen und Forschung an der FH Ottersberg, hat die Notwenigkeit von Arthedata wissenschaftlich begründet:
1. Bedarf der Verbesserung von Forschung und professioneller Anerkennung
Die Kunsttherapie ist eine vergleichsweise mit anderen Therapieformen junge Disziplin, die in unterschiedlichsten Feldern des sozialen Handelns zur Anwendung kommt. Während sich das Spektrum kunsttherapeutischer Methoden und Verfahren im Zusammenhang mit der Erschließung neuer Anwendungsbereiche in den letzten Jahrzehnten ausgeweitet hat, fehlt es der Kunsttherapie jedoch an einer einheitlichen, wissenschaftlich fundierten Bestimmung ihres spezifischen Gegenstandes. D.h. der wachsenden Wertschätzung und Anerkennung gegenüber der Kunsttherapie in den verschiedenen klinisch-medizinischen, (heil-)pädagogischen und weiteren sozialen Praxisbereichen steht ein Defizit an wissenschaftlicher Grundlegung gegenüber. Ein entsprechender Bedarf an wissenschaftlichen Studien, differenziert nach Grundlagen- und Anwendungsforschung, wird in der aktuellen Fachliteratur vielfach bekundet (u.a. Petersen, 2002; Sinapius/ Ganß 2006; Wichelhaus 2006). Wesentliche Basis dafür ist die Zugänglichkeit der bisherigen Fachpublikationen im Bereich der Kunsttherapie.
Davon ausgehend zielt das Projekt arthedata auf eine systematische und thematisch differenzierte Recherche und Bereitstellung der vorhandenen Wissens- und Forschungssubstanz der Kunsttherapie als notwendige Basis für die Umsetzung weiterer Forschungsvorhaben. Nur so kann es der Kunsttherapie gelingen, über die verschiedenen Ansätze, Konzepte und Anwendungsfelder hinweg eine stringente Berufspolitik und notwendige professionelle Anerkennung im Rahmen des Gesundheits- und Sozialwesens und ihrer Leitlinien zu erreichen.
2.) Verbesserung der Lehr- und Forschungsgrundlagen in den Ausbildungsstätten
Indem das hier beantragte Projekt arthedata darauf zielt, die (zunächst) deutschsprachige kunsttherapeutische Fachliteratur, ausgehend von den Anfängen des 20. Jahrhunderts bis einschließlich zum Jahr 2007, zu recherchieren, zu beschaffen und in den Bibliotheken der Hochschule für Kunsttherapie in Nürtingen (HKT) und der Fachhochschule Ottersberg verfügbar zu machen, unterstützte es in besonderem Maße die Lehr- und Studienqualität an den beiden Institutionen. Damit wird den Qualitätsanforderungen an Bachelor- und Master-Studiengänge, die ab 2007 eingeführt werden, überzeugend Rechnung getragen.
Gleichzeitig soll mit der einzurichtenden Datenbank arthedata ein wissenschaftliches Medium geschaffen werden, das mit den Mitteln einer Internet-Datenbank (auf der Basis der software-technischen Funktionalität und Verknüpfungsfähigkeit von CAMbase) Wissen der Disziplin Kunsttherapie fasst und u.a. so für wiss. (studentische) Forschungsvorhaben (in Form von Studienprojekten, Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten, Promotionen) zugänglich macht (www.CAMbase.de).
Ein weiterreichendes Ziel des Projektes ist es, die Kunsttherapie als wissenschaftliche Fachdisziplin auch interdisziplinär und international in der Hochschullandschaft und den jeweiligen Spezialbibliotheken der Hochschulen und Universitäten zu etablieren (weitere Perspektiven der Kooperation und Vernetzung der Datenbank „arthedata.de“).
3) Wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der Kunsttherapie (im Rahmen einer Promotion der Wiss. MA)
Da neben der Aktualität von Wissenschaft auch die Transparenz wissenschafts-geschichtlicher Hintergründe ein wichtiges Qualitätskriterium ist, zielt das Projekt arthedata auf eine möglichst vollständige Aufarbeitung der historischen Quellen sowie der gegenwärtigen Ausdifferenzierungen der kunsttherapeutischen Richtungen, Modelle und Ansätze.
Parallel zur Einrichtung der Datenbank arthedata und der Bibliotheksmodernisierung sollen ausgewählte Aspekte der Geschichte der Kunsttherapie vertiefend (im Rahmen begleitender Promotionsvorhaben der Wiss. Mitarbeiter), untersucht werden. Dabei geht es einerseits darum, die historischen Linien und Blickwinkel in der Betrachtung der Bedeutung von Kunsttherapie nachzuzeichnen und in Zusammenhang mit der Begründung der unterschiedlichen Fokussierungen in der kunsttherapeutischen Praxis und Forschung zu bringen. Anderseits zielt das Projekt auf eine historische Einordnung der Rezeption von Kunsttherapie im Gesundheits- und Sozialsystem (exemplarisch im Bereich der Psychosomatik), um deren berufspolitische Dimension zu erhellen.
Eine fachgeschichtliche Forschung der Kunsttherapie gewinnt letztlich auch an ausschlaggebender Bedeutung (nach Wichelhaus 2007), in dem damit die Verknüpfungen mit angrenzenden Bezugsdisziplinen präzisiert und zur besseren Positionierung der Kunsttherapie in den verschiedenen Anwendungsfeldern herangezogen werden können.
Insgesamt will das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Genese der verlangten Wissenschaftlichkeit und Professionalisierung der Kunsttherapie leisten.
Internationaler Recherche- und Bibliotheksverbund
Das Projekt, bislang von der Software-AG-Stiftung und der HB-Stiftung Berneburg gefördert, soll fortgesetzt werden; in einer zweiten und dritten Phase sollen die Möglichkeiten des Internet ausgeschöpft und Forschungs- oder Praxisprojekte aufgenommen werden. Weiter werden Abstract für differenzierte Recherchen zugänglich gemacht. Daneben wird auch die internationale Literatur erfasst, so dass schließlich ein internationaler Recherche- und Bibliotheksverbund entsteht.