POSTSCRIPTUM
Die Sprache der Worte / "Buch-Male" von Achs FisGhal
Eine Auseinandersetzung mit Sprache im Nationalsozialismus
Evangelische Versöhnungskirche KZ-Gedenkstätte Dachau,
26.11.2009 - 28.02.2010
„Worte können sein wie winzige Arsendosen; sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da. Worte sind nicht Schall und Rauch, sondern die Bausteine, aus denen sich unsere Welt zusammensetzt." (Viktor Klemperer)
Der Künstler Achs FisGhal (d.i. Achim Fischer-Göbel) ist Absolvent der Fachhochschule Ottersberg. Er hat hier Kunsttherapie, Kunstpädagogik und Freie Bildende Kunst studiert.
In seiner Ausstellung „POSTSCRIPTUM, Die Sprache der Worte“ greift der Künstler die im Erleiden des Nationalsozialismus von Klemperer gewonnene Einsicht auf und lässt sie in seinen Buch-Objekten, den sog. "Buch-Malen", Schrift-Bild bzw. Bild-Schrift werden.
Auf versengten Buchrücken, die an die Bücherverbrennung der Nazis erinnern, sind Begriffe wie "Endlösung" oder "Sonderbehandlung" aufgetragen. Auf diese Weise zieht Achs FisGhal zwei geistige Grundlagen des Naziterrors in einem Bildausdruck zusammen: die Diffamierung und Zerstörung eines differenzierenden, um Wahrheit bemühten Diskurses, der Voraussetzung jeder humanen Gesellschaft ist, und die statt dessen übrig bleibenden, die Wahrheit vergewaltigenden, zerstörerischen (Un-)Worte.
Die so in den »Buch-Malen« vergegenwärtigte geistige Grundlage von blindem Hass und Zerstörung wird zum Mahnmal gegen die vergiftenden Nachwirkungen der Nazisprache und gegen jede Diskursverkürzung auf simplifizierende, die Wahrheit vergewaltigende Schlagworte.
Worte sind mehr als »bloße« Worte. Im Konzentrationslager Dachau ist ihre zerstörerische Saat aufgegangen und grausame Wirklichkeit geworden. Neben den steingewordenen Relikten des Naziterrors vergegenwärtigt die Ausstellung in der Gedenkstätte die geistigen Relikte, die anders als die Steine ihre vergiftende Wirkung noch immer ausüben.
Achs FisGhal hat sein Atelier in Bronnen (Oberschwaben). Auch in anderen Projekten beschäftigt er sich immer wieder mit Sprache und Schrift.
Die Ausstellung läuft vom 26. November 2009 bis 28. Februar 2010. Geöffnet ist sie Dienstag bis Samstag von 10-16 Uhr, Sonntag von 12-13 Uhr, im Gesprächsraum der Versöhnungskirche.